Unser Schweden – Teil 1: Wasser in allen Formen
Ein Gastbeitrag von Christine Averberg und Daniel Böttcher
Es gibt Orte, die man besucht – und solche, die einen nicht mehr loslassen. Für uns gehört Schweden ganz klar zur zweiten Kategorie.
Kaum irgendwo sonst fühlt sich Natur so ursprünglich und gleichzeitig so zugänglich an: endlose Wälder, weite Landschaften und vor allem Wasser – überall Wasser. Seen, Flüsse, Stromschnellen und Wasserfälle prägen das Land und schaffen eine Atmosphäre, die sich kaum in Worte fassen lässt.

Auf unseren Reisen mit dem Camper haben wir viele dieser Orte entdeckt. Manche davon sind inzwischen fast zu kleinen Ritualen geworden: stille Waldseen, vertraute Ufer, Sonnenuntergänge, die wir jedes Jahr wieder erleben – und natürlich unzählige fotografische Momente.
In dieser kleinen Blogserie möchten wir euch mitnehmen und euch „unser Schweden“ zeigen. Drei Teile, drei Perspektiven auf ein Land, das uns immer wieder aufs Neue fasziniert.
Den Anfang macht ein Element, das Schweden überall prägt – und unsere Fotografie besonders beeinflusst: Wasser.


Schweden wird oft das Land der tausend Seen genannt – und das ist noch untertrieben. Manche dieser Seen sind so groß, dass man das gegenüberliegende Ufer nur bei absolut klarem Wetter erahnen kann. Andere wirken unscheinbar und tauchen in vielen Navigations-Apps nicht einmal auf. Trotzdem sind sie oft noch deutlich größer als die Baggerseen, die wir aus unserer Heimat kennen.


Die Magie der stillen Waldseen


Besonders angetan haben es uns die vielen stillen Waldseen. Wenn wir mit unserem Camper unterwegs sind, suchen wir am späten Nachmittag meist einen Stellplatz für die Nacht – am liebsten direkt am Wasser.


Einige dieser Plätze begleiten uns inzwischen seit Jahren. Wir wissen genau, an welchen Ufern die Sonne besonders schön untergeht und wo sich spannende Perspektiven zum Fotografieren ergeben.

Nach langen Wanderungen durch die Wälder erreichen wir oft genau solche Orte. Dann entzünden wir ein kleines Lagerfeuer – dafür gibt es vielerorts vorbereitete Feuerstellen – und genießen einfach den Abend. Der Rauch hält die Mücken fern, während sich langsam Ruhe über den See legt.


Wenn später die Sonne tiefer sinkt und das Wasser in warmes Licht taucht, entsteht eine ganz besondere Stimmung. Für einen Moment wirkt es, als würde die Welt einfach innehalten.

Das Wasser beginnt in tiefem Orange zu leuchten, während sich die matt schimmernden Blätter der Seerosen von der Oberfläche abheben. Kontraste entstehen, Formen lösen sich auf – und genau in solchen Momenten beginnt unser fotografischer Spieltrieb.

Je öfter wir diese Szenen erleben, desto abstrakter werden unsere Bilder. Wir versuchen nicht mehr nur abzubilden, sondern die Stimmung dieser Augenblicke einzufangen.

Wenn der See zur Leinwand wird
Doch selbst lange nach Sonnenuntergang gehen uns die Motive nicht aus. Die Wasseroberfläche wird oft spiegelglatt und verwandelt die Landschaft in perfekte Reflexionen. Auch wenn wir solche Szenen inzwischen häufig erleben – sie faszinieren uns jedes Mal aufs Neue.


Mit zunehmender Dunkelheit werden die Belichtungszeiten immer länger. Irgendwann greifen wir fast automatisch zu einer Technik, die uns besonders Spaß macht: ICM. Dabei belichten wir länger und bewegen währenddessen bewusst die Kamera. So entstehen Strukturen und Dynamik im Bild, während störende Details verschwinden. In solchen Momenten entstehen schnell hunderte Aufnahmen – und dass später beim Aussortieren der Kopf raucht, blenden wir einfach aus. Das liegt ja noch weit in der Zukunft.

Ab und zu treffen wir an diesen Seen auch auf ihre Bewohner. Hauben-, Pracht- und Sterntaucher sind hier regelmäßig unterwegs. Auch Gänsesäger sowie Löffel- und Schellenten begegnen uns immer wieder. Oft schwimmen sie weit draußen auf den größeren Seen, sodass an formatfüllende Aufnahmen kaum zu denken ist.
Doch genau das entspricht ohnehin unserem Stil. Wir geben den Tieren gerne Raum im Bild und zeigen sie bewusst in ihrer Umgebung. So wird für den Betrachter sichtbar, wie und wo diese Tiere tatsächlich leben.

Die Kraft des Wassers – Schwedens Wasserfälle
Je felsiger und bergiger die Landschaft wird, desto häufiger trifft man in Schweden auch auf Wasserfälle. Hier zeigt das Wasser eine ganz andere Seite. Stromschnellen rauschen, feiner Sprühnebel liegt in der Luft, und die Kraft der Wassermassen ist überall spürbar.

Fotografisch eröffnen sich hier völlig neue Möglichkeiten. Besonders gerne besuchen wir Wasserfälle an trüben oder regnerischen Tagen. Dann lassen sich mit Langzeitbelichtungen und weichem Licht ihre Strukturen besonders gut einfangen.
Doch auch bei Sonnenschein entstehen manchmal magische Momente. Wenn die Sonne in der aufsteigenden Gischt kleine Regenbögen erscheinen lässt, wirkt die Szene trotz der gewaltigen Kraft des Wassers plötzlich fast märchenhaft.

Und genau solche Augenblicke sind es, die uns immer wieder nach Schweden zurückziehen.
Ob stiller Waldsee, spiegelglatte Wasseroberfläche oder tosende Stromschnellen – Wasser begleitet uns auf unseren Reisen durch Schweden auf Schritt und Tritt. Es verändert Stimmungen, schafft Motive und sorgt immer wieder für Momente, in denen wir einfach nur staunen.
Doch so prägend das Wasser auch ist: Schweden hat noch viele andere Facetten.
In Teil 2 unserer Serie „Unser Schweden“ verlassen wir die Seen und Wasserfälle und wenden uns einer Landschaft zu, die mindestens genauso beeindruckend ist – den endlosen Wäldern des Nordens und ihren Bewohnern. Und dort warten ganz andere Begegnungen auf uns.
Über Christine Averberg und Daniel Böttcher

Daniel Böttcher und Christine Averberg zeigen in ihrem gemeinsamen Projekt „naturbelichtet“, wie spannend und überraschend alltägliche Naturmotive sein können. Mit Vorliebe sind sie vor der eigenen Haustür unterwegs. Wann immer es möglich ist, zieht es die beiden aber nach Schweden. Dabei entstehen Bildserien, die nicht nur durch ihre Ästhetik überzeugen, sondern auch durch ihre Fähigkeit, Stimmungen einzufangen und Geschichten zu transportieren.
Seit 2020 teilen die beiden ihre Leidenschaft für Fotografie und Natur. Dabei entwickeln sie ganz eigene, künstlerische Blickwinkel – mal minimalistisch, mal abstrakt, aber immer mit Liebe zum Detail. Was sie verbindet, ist die Freude am gemeinsamen Draußensein, das Entdecken neuer Perspektiven – und die Begeisterung, diese mit anderen zu teilen.
Neben ihrer fotografischen Arbeit geben sie ihr Wissen regelmäßig in Workshops, Artikeln und Vorträgen weiter. Ihr Ansatz ist praxisnah, inspirierend und darauf ausgerichtet, Teilnehmende zu einem bewussteren Sehen und Gestalten zu motivieren – immer mit dem Ziel, die eigene fotografische Handschrift weiterzuentwickeln und Neues auszuprobieren.
Weitere Bilder von Christine und Daniel findet ihr auf Instagram und auf der Webseite der beiden.
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